Stellungnahme der Strahlenschutzkommission
Verabschiedet auf der 136. Sitzung der SSK am 22./23.02.1996
Veröffentlicht im BAnz Nr. 53 vom 18.03.1997
Die Bundesrepublik gehört zu den Ländern, die bereits frühzeitig (1981) Empfehlungen zur Iodblockade der Schilddrüse gegeben haben. Die WHO hat 1989 Empfehlungen zu dieser Thematik aufgestellt. Die Eingreifrichtwerte dieser Empfehlungen sind um den Faktor 4 niedriger als die Richtwerte in der Bundesrepublik. Außerdem unterscheiden sich die Dosierungsempfehlungen.
Die SSK schlägt in ihrer Empfehlung vor, wegen der besonderen Gefährdung der kindlichen Schilddrüse folgende Schilddrüsen-Folgedosen als Eingreifrichtwerte festzulegen:
Diese Empfehlung bedeutet, daß Iodtabletten in der Bundesrepublik so vorgehalten werden sollten, daß zumindest alle Kinder bis 12 Jahre und Schwangere versorgt werden können.
Weiterhin empfiehlt die SSK, daß Personen, die älter als 45 Jahre sind, Iodtabletten zur Blockade der Schildddrüse nicht einnehmen sollten. Da im Iodmangelgebiet Deutschland mit zunehmendem Alter häufig Stoffwechselstörungen der Schilddrüse auftreten, kann es durch eine stark erhöhte Iodzufuhr, wie sie bei der Iodblockade erfolgt, bei diesem Personenkreis zu schweren Nebenwirkungen kommen. Dieses Risiko ist höher anzusetzen als das mit steigendem Alter abnehmende Risiko eines strahleninduzierten Schilddrüsenkarzinoms.
Die SSK hat diese Empfehlung in ihrer 136. Sitzung am 22./23. Februar 1996 verabschiedet. Der Ausschuß Notfallschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen der SSK hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Vorschläge zur praktischen Umsetzung dieser Empfehlung erarbeitet.