Anwendung der effektiven Dosis bei medizinischen Untersuchungen

Empfehlung der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet auf der 147. Sitzung der SSK am 03./04.07.1997

Veröffentlicht im BAnz Nr. 213 vom 14.11.1997

Kurzinformationen

Nach Auffassung der SSK hat die Verwendung einer über alle Untersuchungen und die Gesamtbevölkerung gemittelten Dosis zur Abschätzung der Strahlenexposition der Bevölkerung durch medizinische Maßnahmen häufig zu Fehlinterpretationen geführt. Insbesondere führt die Hochrechnung eines kollektiven Mortalitätsrisikos, das in Form von scheinbar bewiesenen "Strahlentoten" in die öffentliche Diskussion zum Strahlenrisiko in der Medizin eingegangen ist, zur Verunsicherung von Patienten und Ärzten mit der Gefahr gesundheitlicher Folgen wegen unterlassener röntgendiagnostischer oder nuklearmedizinischer Maßnahmen.

Aus diesem Grund hat sich die Strahlenschutzkommission mit der Anwendung der effektiven Dosis in der Medizin befaßt. Sie stellt u.a. klar, daß es wenig Sinn macht, das Strahlenrisiko der radiologischen und nuklearmedizinischen Untersuchungen oder Behandlungen getrennt vom individuellen Nutzen des Patienten zu betrachten.

Für die Zwecke der Qualitätssicherung bei radiologischen Untersuchungen und zur Optimierung des Strahlenschutzes sind Dosisgrößen wie Einfalldosis, Dosisflächenprodukt und Organdosen geeignet und nützlich. Die effektive Dosis kann zum Vergleich und zur Bewertung unterschiedlicher Untersuchungsarten verwandt werden. Für Zwecke der Rechtfertigung kann die Ermittlung eines individuellen Risikos von Nutzen sein, wobei altersabhängige Risikokoeffizienten für die Krebsmortalität nach ICRP 60 herangezogen werden sollten. Für die Ermittlung der mittleren Risikokoeffizienten von Patienten ergeben sich je nach Untersuchungsart und der dazugehörigen Altersverteilung der Patienten, deren mittleres Alter meist deutlich über dem einer Normalbevölkerung liegt, Reduktionsfaktoren. Diese betragen beispielsweise 0,5 für stationäre bzw. 0,6 bis 0,7 für ambulante Patienten.

Weitere Reduktionsfaktoren ergeben sich aus Erkrankungsort und Prognose (z.B. bei Krebs), sind aber bisher kaum quantifizierbar.

Die von der SSK in ihrer 147. Sitzung am 3./4. Juli 1997 verabschiedete Empfehlung sollte nach Auffassung der SSK künftig bei der Abfassung des Jahresberichtes zur Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung des BMU Berücksichtigung finden.


© Strahlenschutzkommission