Durchführung der Iodblockade der Schilddrüse bei kerntechnischen Unfällen

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet auf der 149. Sitzung der SSK am 17.11.1997

Kurzinformationen

Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den Ländern, die bereits frühzeitig (1981) Empfehlungen zur Iodblockade der Schilddrüse bei einem kerntechnischen Unfall gegeben haben. In ihrer Empfehlung "Iodblockade der Schilddrüse bei kerntechnischen Unfällen", verabschiedet in der 136. Sitzung der SSK am 22./23. Februar 1996 (redaktionell revidiert am 13. März 1997), spricht sich die SSK für die Übernahme der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Iodblockade der Schilddrüse von 1989 aus. Die Abweichungen der neuen SSK-Empfehlung - gegenüber der von 1981 - beziehen sich auf die Eingreifrichtwerte, die Dosierung von Iod und auf die Berücksichtigung des Fernbereichs.

Die Stellungnahme "Durchführung der Iodblockade der Schilddrüse bei kerntechnischen Unfällen", verabschiedet in der 149. Sitzung der SSK am 17. November 1997, beinhaltet einen Vorschlag für ein Konzept für die Bevorratung und Verteilung von Iodtabletten.

Bei den Überlegungen zur Vorhaltung der Iodtabletten wurde davon ausgegangen, daß die Empfehlungen möglichst flexibel sein sollen, so daß standortspezifische Festlegungen getroffen werden können.

Iodtabletten sollten im Umkreis bis 25 km um ein Kernkraftwerk für alle Personen bis 45 Jahre vorgehalten werden, wobei für den Bereich 0 bis 5 km eine Vorverteilung an Haushalte, für den Bereich 5 bis 10 km eine Vorhaltung der Iodtabletten an mehreren Stellen in den Gemeinden oder eine Vorverteilung an Haushalte und für den Bereich 10 bis 25 km eine Lagerung in den Gemeinden bzw. in geeigneten Einrichtungen empfohlen wird.

Personen über 45 Jahren wird von der Einnahme der Tabletten zur Iodblockade der Schilddrüse abgeraten. Der Grund hierfür liegt darin, daß im Iodmangelgebiet Deutschland bei dieser Altersgruppe Störungen des Stoffwechsels der Schilddrüse auftreten können. Bei solchen Personen könnte es im Rahmen der Iodblockade zu schwer beherrschbaren Verläufen einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. Das hierdurch bedingte Risiko ist höher als das geringe, praktisch nicht vorhandene Risiko eines strahleninduzierten Schilddrüsenkrebses.

In den Gebieten außerhalb eines Umkreises von 25 km um ein Kernkraftwerk wird eine zentrale Vorhaltung der Iodtabletten für Kinder bis 12 Jahre und Schwangere empfohlen. Die Bevorratung bedarf einer Logistik, die es ermöglicht, die genannte Personengruppe in den gefährdeten Gebieten (bis etwa 100 km um eine Anlage) im Ereignisfall rechtzeitig mit Iodtabletten versorgen zu können.

Über die bevorrateten Tabletten hinaus ist eine bundesweite Reserve sinnvoll. Jedem Bürger sollte es möglich sein, Iodtabletten auf freiwilliger Basis in Apotheken zu erwerben.


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