Stellungnahme der Strahlenschutzkommission
Verabschiedet auf der 170. Sitzung der SSK am 07./08.12.2000
In den letzten zwanzig Jahren sind bei der Umweltüberwachung sowie der Strahlenschutzvorsorge für die Bevölkerung und für Berufstätige am Arbeitsplatz die natürlich in der Umwelt vorkommenden Radionuklide zunehmend in das öffentliche Interesse gerückt. Dabei wurden insbesondere das Radon und seine Zerfallsprodukte stärker betrachtet, da sie in erheblichem Umfang zur Strahlenexposition des Menschen aus natürlichen Quellen beitragen. Internationale Empfehlungen zur Ermittlung, Überwachung und Reduzierung von erhöhten Radonkonzentrationen sowohl an Arbeitsplätzen als auch in Wohnungen findet man in mehreren Publikationen der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP). Die ICRP-Publikation 65 aus dem Jahr 1994 behandelt ausführlich dieses Thema. Die Europäische Kommission hat 1990 eine Empfehlung 90/143/EURATOM zum Schutz der Bevölkerung vor Radonexpositionen in Gebäuden publiziert und 1996 im Rahmen der Richtlinie 96/29/EURATOM eine für alle Mitgliedsstaaten verbindliche Vorgabe zur Überwachung von Arbeitsplätzen bei einer erhöhten Radonexposition geschaffen. Auch die Strahlenschutzkommission hat sich mehrfach mit diesem Thema befasst, die Situation in Deutschland analysiert und mehrere Empfehlungen verabschiedet (u. a. Band 6, 15 und 19 der Veröffentlichungen der Strahlenschutzkommission). Sie bilden in Deutschland derzeit die Grundlage für Maßnahmen zur Ermittlung, Beurteilung und Reduzierung von erhöhten Radonkonzentrationen in Wohnungen. Die Novelle der Strahlenschutzverordnung enthält erstmals einen Teil mit Regelungen für den Schutz von Mensch und Umwelt vor natürlichen Strahlenquellen bei Arbeiten. Sie schafft damit auch im Bereich der Kontrolle von Radonexpositionen eine gesetzliche Grundlage.
In Zukunft werden daher in größerem Umfang Radon- und Radonzerfallsproduktmessungen in Häusern und an Arbeitsplätzen durchgeführt werden müssen. Dabei handelt es sich meistens um Erhebungsmessungen zur Charakterisierung eines bestimmten Gebietes, um Kurzzeit- oder Langzeitmessungen zur Bewertung von Wohnungen, um Messungen zur Ermittlung der Exposition an Arbeitsplätzen oder um Messungen zur Planung von Maßnahmen in Sanierungsgebieten, wie z. B. in Gebieten des ehemaligen Uranbergbaus. Zusätzlich ergeben sich auch Messaufgaben zur Bestimmung der Radonkonzentration in der Bodenluft und im Wasser.
Von der Arbeitsgruppe "Radon-Messtechnik" des Ausschusses "Strahlenschutztechnik" der SSK wurde daher auf Wunsch des BMU ein "Leitfaden zur Messung von Radon, Thoron und ihren Zerfallsprodukten" erarbeitet und von der SSK auf ihrer 170. Sitzung am 7./8. Dezember 2000 verabschiedet. Es ist beabsichtigt, ihn in der Reihe "Veröffentlichungen der Strahlenschutzkommission" zu publizieren.
Dieser Leitfaden gibt eine Übersicht über die derzeitig gebräuchlichen Verfahren zur Messung von Radon, Thoron und ihren Zerfallsprodukten und ist ein Hilfsmittel für alle, die sich mit deren Messung in unserer Umwelt befassen. Dazu gehören Behörden und andere Institutionen, die derartige Messungen veranlassen und begutachten, sowie Personen, Organisationen und Firmen, die Radonmessungen durchführen oder sich dafür interessieren.
Er gliedert sich in folgende drei Teile: