Kurzbewertung der Veröffentlichung "Zunahme von Krebserkrankungen in Nordschweden durch den Reaktorunfall von Tschernobyl?"

M. Tondel et al., J Epidemiol Community Health 58, 1011-1016 (2004)

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet auf der 198. Sitzung der SSK am 17.02.2005

Kurzinformationen

Im Jahr 2004 veröffentlichten M. Tondel und weitere Mitautoren in einer renommierten Fachzeitschrift die Publikation: „Increase of regional total cancer incidence in north Sweden due to the Chernobyl accident?". Die durchgeführte Untersuchung ist eine sog. ökologische Studie. Zur Studienpopulation gehören 143 182 Personen im Alter von 0-60 Jahren, die vor dem Unfall in Tschernobyl in den Jahren 1986-1987 in 450 nordschwedischen Gemeinden lebten. Ein mit Hilfe des schwedischen Krebsregisters durchgeführtes Follow-up für diese Personengruppe ergab für die Jahre 1988-1996 insgesamt 22 409 aufgetretene Krebsfälle.

Die Strahlenschutzkommission kommt bei der Bewertung dieser Studie zu der Einschätzung, dass die Hauptschwäche der Studie das ökologische Studiendesign ist, in dem Korrelationen der 137Cs-Flächenaktivität mit anderen Risikofaktoren innerhalb der untersuchten Gemeinden nicht berücksichtigt werden können. Es kann deshalb nicht aus der Studie von Tondel et al. auf eine Erhöhung der Krebsinzidenz in Nordschweden durch den Reaktorunfall von Tschernobyl geschlossen werden.

Der heutige Wissensstand über mögliche gesundheitliche Effekte des Tschernobylunfalls entspricht im Wesentlichen der zusammenfassenden Darstellung durch UNSCEAR im Jahr 2000. Neben der Erhöhung der Schilddrüsenkrebsinzidenz in den hoch kontaminierten Gebieten Weißrusslands, der Ukraine und Russlands gibt es keine Evidenz für Gesundheitsschäden in der Bevölkerung, die durch die Strahlenexposition in Folge des Unfalls direkt bedingt sind.

Die Strahlenschutzkommission hat diese Stellungnahme in der 198. Sitzung am 17. Februar 2005 verabschiedet.


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