Kurzinformationen
Die Frage nach der gesundheitlichen Bedeutung natürlicher Strahlung wird in der Öffentlichkeit immer wieder und zum Teil kontrovers diskutiert. Aus diesem Grund hat die Strahlenschutzkommission zu dieser Thematik eine Stellungnahme erarbeitet, die sich mit verschiedenen Quellen natürlicher Strahlung befasst und den Wissensstand zur Bedeutung dieser Strahlung für die Krebsentstehung in der deutschen Bevölkerung darstellt. Berufliche Expositionen bleiben dabei unberücksichtigt.
Neben dieser Stellungnahme wurde ein wissenschaftlicher Begründungsteil erstellt. Dieser umfasst die folgenden Kapitel
- Biologische Wirkungen ionisierender Strahlung und ihr Einfluss auf die Krebsentstehung
- Möglichkeiten und Grenzen epidemiologischer Studien zur natürlichen Strahlenexposition
- Radon und Lungenkrebs
- Natürliche Strahlenexposition (außer Radon) in Deutschland
- Studien in Gebieten mit hohen Expositionen durch natürliche terrestrische ionisierende Strahlung
- UV-Strahlung und Hautkrebs.
Zusammenfassend hat die Stellungnahme der Strahlenschutzkommission zum Einfluss der natürlichen Strahlenexposition auf die Krebsentstehung in Deutschland die folgenden Hauptaussagen
- Es gibt klare Erkenntnisse zum Lungenkrebsrisiko durch Exposition in Wohnräumen mit hohen Radonkonzentrationen.
- Die Schwankungsbreite der Expositionen durch ionisierende Strahlung aus natürlichen Quellen außer durch Radon ist in Deutschland gering.
- Unter der Annahme von bekannten Risikokoeffizienten müssten in Deutschland für mehrere Millionen Studienteilnehmer individuelle Daten erhoben werden, um eine
epidemiologische Studie mit hinreichender Aussagekraft über das Krebsrisiko durch terrestrische Strahlung durchzuführen.
- Es gibt keine epidemiologischen Hinweise, dass das strahlenbedingte Krebsrisiko je Dosis durch terrestrische Strahlung deutlich höher ist als unter den Atombombenüberlebenden. So haben epidemiologische Studien in Gebieten in Indien, China und im
Iran mit hohen terrestrischen Strahlenexpositionen keine Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko ergeben.
- Viele der strahlenbiologischen Effekte auf molekularer, zellulärer oder geweblicher Ebene weisen im Bereich kleiner Dosen nicht-lineare Dosis-Wirkungsbeziehungen auf. Wie diese Einzeleffekte allerdings in ihren Zusammenhängen und Wechselwirkungen zu einer Dosis-Wirkungsbeziehung für den Gesamtprozess der Krebsentstehung beitragen, ist noch weitgehend ungeklärt.
- Bisher veröffentlichte epidemiologische Studien zum Krebsrisiko durch natürliche externe Strahlung in Deutschland haben methodologische Mängel. Ihre Aussagen haben keine ausreichende wissenschaftliche Begründung.
- Erhöhte Exposition mit UV-Strahlung ist eindeutig als Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs nachgewiesen.
Die Strahlenschutzkommission hat die Stellungnahme „Einfluss der natürlichen Strahlenexposition auf die Krebsentstehung in Deutschland“ und deren wissenschaftliche Begründung in der 220. Sitzung am 05./06. Dezember 2007 verabschiedet.
Die gleichnamige Publikation ist als Band 62 der Reihe „Veröffentlichungen der Strahlenschutzkommission“ in Vorbereitung.