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Bewertung von Messungen der ARGE PhAM zur Radioaktivität in der Elbmarsch

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet in der 183. Sitzung der SSK am 14.02.2003

Kurzinformationen

Zwischen November 1989 und Mai 1991 traten in dem Gebiet am niedersächsischen Elbufer, das dem GKSS-Forschungszentrum Geesthacht und dem Kernkraftwerk Krümmel (KKK) gegenüber liegt, gehäuft Leukämiefälle auf. Nach bekannt werden dieser Häufung wurden die kerntechnischen Anlagen als mögliche Verursacher der Leukämiefälle diskutiert. Trotz umfangreicher Untersuchungen konnte aber kein ursächlicher Zusammenhang festgestellt werden.

Im November 2000 wurde das Thema "Radioaktivität in der Elbmarsch" von der Arbeitsgemeinschaft Physikalische Analytik und Messtechnik (ARGE PhAM) erneut aufgegriffen. Zunächst wurden von der ARGE PhAM bereits vorliegende Messergebnisse von Plutonium, sonstigen Transuranen, Uran und anderen Radionukliden neu bewertet, dann auch Analysen an selbst genommenen Proben in Auftrag gegeben. Die ARGE PhAM zog aus den Ergebnissen den Schluss, dass die vorliegenden Nuklide nicht aus dem Fallout der Atomwaffenversuche oder des Unfalls in Tschernobyl stammten, sondern bei einem anderen Unfall freigesetzt worden sein müssten. Es wurde dann behauptet, dass öffentlich nicht bekannte Forschungsarbeiten bei Geesthacht stattgefunden hätten, bei denen sich ein schwerer Unfall ereignet habe, der bisher verschwiegen worden sei.

Auf Wunsch des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat sich die Strahlenschutzkommission (SSK) ab März 2001 mit den Berichten der ARGE PhAM befasst. In dem Beratungsauftrag des BMU wurde die SSK gebeten zu prüfen, ob die von verschiedenen Seiten vorgelegten Messergebnisse Anlass zu der Aussage geben, dass im betrachteten Gebiet

  • ein erhöhtes Vorkommen an angereichertem Uran,
  • ein erhöhtes Vorkommen an Transuranen,
  • gegenüber anderen Gebieten abweichende Pu-Isotopenverhältnisse,
  • ein erhöhtes Vorkommen an Tritium,
  • PAC-Brennstoffkügelchen

vorliegen und

  • in wie weit etwaige derartige Befunde zu einer erhöhten Strahlenexposition der Bevölkerung

führen können.

Der Ausschuss "Strahlenschutz bei Anlagen" der SSK hat den Fragenkomplex in mehreren Sitzungen detailliert beraten und eine entsprechende Stellungnahme vorbereitet. Die SSK hat schließlich im Rahmen ihrer 183. Sitzung am 14. Februar 2003 diese Stellungnahme verabschiedet, die sich in eine kurze zusammenfassende Stellungnahme zu den Fragen des Beratungsauftrags und eine ausführliche Erläuterung gliedert.

Die SSK kommt zusammenfassend zu folgenden Schlussfolgerungen:
"Die Behauptung der ARGE PhAM, dass in der Umgebung von GKSS und KKK anthropogene Radionuklide vorliegen, die nicht auf den Fallout der oberirdischen Kernwaffentests oder des Unfalls in Tschernobyl zurückgeführt werden können, ist wissenschaftlich durch Messungen nicht belegt. Aus der Vielzahl der vorliegenden Messungen ergeben sich keine Hinweise auf das Vorkommen von angereichertem Uran und auf das erhöhte Vorkommen von Transuranen und Spalt- oder Aktivierungsprodukten in der Elbmarsch. Die Messungen ergeben auch keine Hinweise auf ein lokales oder gar großräumiges Vorkommen kernbrennstoffhaltiger Kügelchen. Insgesamt ergibt sich kein Hinweis auf erhöhte Strahlenexposition von Personen in der Elbmarsch und damit kein Hinweis auf Radioaktivität als Ursache für die dort beobachtete Leukämiehäufung."

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Zusatzinformationen

Beratungsgremium SSK

Die Strahlenschutzkommission (SSK) ist ein Beratungsgremium des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und berät dieses ...

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