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Kernkraftwerk Stade – Stilllegung und Rückbau

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet in der 200. Sitzung der SSK am 30.06./01.07.2005

Kurzinformationen

Die Kernkraft Stade GmbH&Co. OHG und die E.ON Kernkraft GmbH haben beim Niedersächsischen Umweltministerium eine Genehmigung gemäß § 7 Abs. 3 AtG zur Stilllegung und für die erste Rückbauphase des Kernkraftwerkes Stade sowie für die Errichtung und den Betrieb eines Lagers für radioaktive Abfälle beantragt.

Zur Vorbereitung einer bundesaufsichtlichen Stellungnahme zum Entwurf des Genehmigungsbescheids des Niedersächsischen Umweltministeriums für das Kernkraftwerk Stade hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit daraufhin die Strahlenschutzkommission um eine Stellungnahme gebeten.

Der Beratungsauftrag des BMU an die SSK umfasst insbesondere den radiologischen Arbeitsschutz, die Emissions- und Immissionsüberwachung, den Schutz der Bevölkerung und der Umwelt im bestimmungsgemäßen Betrieb und bei Störfällen sowie die Freigabe und Herausgabe.

Das Vorhaben wurde vorbereitend im SSK-Ausschuss „Strahlenschutz bei Anlagen“ in sieben Sitzungen beraten.

Bei den Beratungen wurden als Bewertungsmaßstäbe die gesetzlichen Festlegungen zugrunde gelegt. Es wurde geprüft, ob die Anforderungen des § 6 StrlSchV erfüllt sind und der Stand von Wissenschaft und Technik bei der Auslegung und den getroffenen Maßnahmen eingehalten wird. Insbesondere wurde geprüft, ob der betriebliche Strahlenschutz den Anforderungen der Strahlenschutzverordnung genügt, ob die möglichen radiologischen Auswirkungen im bestimmungsgemäßen Betrieb und bei Störfällen den Anforderungen der §§ 46, 47 und 50 Strahlenschutzverordnung entsprechen, ob die getroffenen Maßnahmen zur Emissions- und Immissionsüberwachung den Anforderungen der REI genügen und ob die Anforderungen des § 29 StrlSchV für die Freigabe ausreichend berücksichtigt sind.

Im Laufe der Beratungen wurden die Antragstellerinnen, die Genehmigungsbehörde sowie deren Sachverständige TÜV NORD Systec GmbH & Co. KG sowie TÜV NORD EnSys Hannover GmbH & Co. KG gehört, ergänzende Unterlagen angefordert und in den Beratungen berücksichtigt.

Die SSK hat in ihrer Stellungnahme festgestellt, dass die beantragte Stilllegung und der beantragte Rückbau hinsichtlich des radiologischen Arbeitsschutzes, der Emissions- und Immissionsüberwachung, des Schutzes der Bevölkerung und der Umwelt im bestimmungsgemäßen Betrieb und bei den zu betrachtenden Störfällen den nach Stand von Wissenschaft und Technik zu stellenden Anforderungen entsprechen.

Mit dem statistischen Verfahren zur Freigabe betreten die Antragstellerinnen Neuland. Die Darstellung des neuen Verfahrens ist noch nicht in allen Teilen vollständig dokumentiert und soll erst im Lauf der Erprobungs- und Begleitphase vervollständigt werden. Diese Unvollständigkeit ist angesichts des vorgeschlagenen Drei-Phasen-Konzeptes systemimmanent. Allerdings ist es nach Auffassung der SSK erforderlich, dass die generellen Bewertungsgrundlagen vor der Anwendung eindeutig festgelegt und beschrieben werden.

Der Nachweis der Einhaltung von Überwachungsgrenzen, Freigabewerten bzw. von Dosisricht- oder -grenzwerten, ausgehend von Werten der spezifischen Aktivität, verlangt nach Einschätzung der SSK eine möglichst realistische und zugleich ausreichend konservative Schätzung des Erwartungswertes der spezifischen Aktivitäten anhand von Stichproben.

Daher empfiehlt die SSK, bei der Freigabe unter Anwendung des statistischen Verfahrens von einem Vertrauensniveau von 95% für den Erwartungswert der spezifischen Aktivität bzw. der Oberflächenkontamination auszugehen. Damit ist bei der Entscheidung über die Freigabe im statistischen Verfahren die obere 95%-Vertrauensgrenze des Erwartungswerts der spezifischen Aktivität bzw. der Oberflächenkontamination mit den Freigabewerten bzw. den Oberflächenkontaminationswerten zu vergleichen.

Diese Stellungnahme ist in Band 59 der Reihe "Veröffentlichungen der Strahlenschutzkommission" enthalten.

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Zusatzinformationen

Beratungsgremium SSK

Die Strahlenschutzkommission (SSK) ist ein Beratungsgremium des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und berät dieses ...

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