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Strahleninduzierte Katarakte

Empfehlung der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet in der 234. Sitzung der SSK am 14.05.2009
Veröffentlicht im BAnz Nr. 180a vom 27.11.2009

Kurzinformationen

Die Augenlinse muss als sehr strahlenempfindliches Organ angesehen werden.

Die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) schätzt, dass radiogene Linsentrübungen (Katarakte) bei akuter Exposition ab einer Schwellendosis in der Größenordnung von 0,5 - 2 Gy bzw. bei Langzeitexposition von 5 - 6 Gy ausgelöst werden.

Die nationalen und internationalen Strahlenschutzgremien haben der besonderen Strahlenempfindlichkeit der Augenlinse durch die Einführung von speziellen Grenzwerten Rechnung getragen. So legt die Strahlenschutzverordnung in § 55 bei beruflicher Strahlenexposition einen Grenzwert der Organdosis für die Augenlinse von 150 mSv/Jahr und für Personen unter 18 Jahren von 15 mSv/Jahr fest.

Neuere epidemiologische Untersuchungen wurden vor allem an Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, an Liquidatoren des havarierten Reaktors in Tschernobyl sowie an „radiologic technologists“ in den USA durchgeführt. Dabei bewegten sich die niedrigsten gemessenen bzw. rekonstruierten Strahlendosen im Bereich von 5 - 100 mGy. Nach diesen Studien ist die Schwellendosis für strahleninduzierten Katarakte mit hoher Wahrscheinlichkeit < 0,8 Gy.

In verschiedenen Studien wurden eine Erhöhung der Kataraktrate nach Strahlenexpositionen in der Größenordnung von 0,5 Gy und relative Risiken von ungefähr 1,5 nach Strahlenexposition von 1 Gy beobachtet.

Die Strahlenschutzkommission empfiehlt in Anbetracht der gegenwärtigen Datenlage:

  • Die Regelungen in der Strahlenschutz- und Röntgenverordnung zum Schutz der Augenlinse sind den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend anzupassen.
  • Bei Tätigkeiten, die bekanntermaßen mit einer signifikanten Linsenexposition einhergehen können (beispielsweise bei kardiologischen oder radiologischen Interventionen), muss eine gezielte Erfassung der Linsendosis erfolgen. Weitere möglicherweise mit dem Risiko einer signifikanten Linsenexposition verbundene Tätigkeiten sollten in entsprechenden Forschungsvorhaben identifiziert und die tatsächliche Linsendosis sollte in geeigneter Weise gemessen oder abgeschätzt werden. Entsprechende Schutzmaßnahmen (insbesondere Schutzbrillen, Bleiglas-Abschirmscheiben etc.) müssen Anwendung finden.
  • Eine Untersuchung der Augenlinse ist in die medizinische Überwachung beruflich strahlenexponierter Personen bei potentiell hoher Linsenexposition in geeigneter Weise einzubeziehen.
  • Die neueren experimentellen Befunde deuten auf einen Paradigmenwechsel bei der Beurteilung des Risikos für strahleninduzierte Katarakte hin. Deswegen müssen auch in Deutschland Forschungsstrategien etabliert werden, die sich dem grundlegenden Verständnis der Mechanismen strahleninduzierter Katarakte widmen. Dabei muss die systematische Untersuchung der genetischen Prädisposition zu einer höheren Sensitivität gegenüber strahleninduzierten Katarakten ebenso gefördert werden wie klinischepidemiologische Forschung, die in einer Beobachter-unabhängigen Weise die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Strahlenexposition und Kataraktentstehung quantitativ untersucht.

Die Strahlenschutzkommission hat die Empfehlung „Strahleninduzierte Katarakte“ mit wissenschaftlicher Begründung in ihrer 234. Sitzung am 14. Mai 2009 verabschiedet.

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Zusatzinformationen

Beratungsgremium SSK

Die Strahlenschutzkommission (SSK) ist ein Beratungsgremium des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und berät dieses ...

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