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Erfassung der Strahlenexposition in der Nationalen Kohorte

Empfehlung der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet in der 259. Sitzung der SSK am 13./14. Dezember 2012

Kurzinformationen

In einem von der Helmholtz-Gemeinschaft, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gemeinsam geförderten Projekt soll eine Nationale Kohorte zur epidemiologischen Untersuchung des Einflusses von Umweltfaktoren und Lebensstil auf die Entstehung von Krankheiten etabliert werden. Es ist vorgesehen, dass die Kohorte 200 000 Personen umfasst. Die Nationale Kohorte bietet möglicherweise einen Ansatz, zur Beantwortung wichtiger Fragen des Schutzes vor ionisierender Strahlung beizutragen.

Die SSK empfiehlt die retrospektive und prospektive Erhebung der Organdosen der Mitglieder der Nationalen Kohorte durch medizinische, berufliche und externe natürliche Strahlenexpositionen aus den im Folgenden genannten Gründen. Die Studie hat das Potenzial

  • Informationen über die Verteilung der medizinischen Exposition zu liefern,
  • die Höhe und Verteilung der natürlichen externen Exposition zu messen,
  • Informationen zu medizinischen, beruflichen und natürlichen Expositionen für jedes einzelne Kohortenmitglied zu erheben, die in keiner anderen existierenden Kohorte zur Verfügung stehen,
  • das obere Konfidenzintervall des Risikos durch Dosen, die der Variabilität der Dosen in der deutschen Bevölkerung durch alle Expositionen mit ionisierender Strahlung (außer Radon) entsprechen, abzuschätzen,
  • einen Datensatz mit vielen Verhaltens- und Gesundheitsparametern zu schaffen, der in der Kombination mit Expositionsinformationen für zukünftige Fragestellungen von großem Nutzen sein kann.

In Anbetracht der noch offenen Fragen bezüglich

  • der Validierung der Rekonstruktion der medizinischen Exposition,
  • der zu erwartenden Dosisverteilung der Kohortenmitglieder, die ja für die statistische Aussagekraft der Studie entscheidend ist,
  • der Unsicherheit der Dosisabschätzungen und ihres Einflusses auf die Risikoschätzung

empfiehlt die SSK, in einem ersten Schritt die Basisuntersuchung der Nationalen Kohorte für eine größere Machbarkeitsstudie (einige tausend Studienteilnehmer) zur Bestimmung von Organdosen durch medizinische Anwendungen ionisierender Strahlung und durch natürliche externe Strahlenexpositionen zu nutzen. Die Angaben der Kohortenmitglieder zur medizinischen Strahlenexposition sollten zum Beispiel mit Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen validiert werden. In der Machbarkeitsstudie sollte ein Röntgenpass ausgegeben und dessen Nutzung im Rahmen des Follow-up angemahnt und geprüft werden. Die Unsicherheiten der Dosisverteilung, die dadurch entstehen, dass Radonexpositionen nicht gemessen und Daten zur internen Exposition durch den Verzehr von Nahrungsmitteln nicht erhoben werden, sind bei der Datenauswertung zu berücksichtigen. Es soll geprüft werden, ob Hauscharakteristika so abgefragt werden können, dass Angaben zur Radonexposition möglich werden. Weiterhin sollte erwogen werden, bereits in der Basisuntersuchung für alle 200 000 Kohortenmitglieder einige grundlegende Daten zur medizinischen Strahlenexposition zu erheben. Schließlich sollten Kosten und Nutzen einer Erfassung der Strahlenexposition in der gesamten Kohorte diskutiert werden.

Die spätere Erhebung der Strahlenexposition in der gesamten Nationalen Kohorte im Rahmen der Folgeuntersuchung hätte dann den Vorteil, dass das angewandte Verfahren validiert wäre. Für die in der Machbarkeitsstudie untersuchte Untergruppe können zeitliche Entwicklungen der medizinischen und natürlichen externen Strahlenexposition bestimmt werden.

Weiterhin empfiehlt die SSK, die Erhebung von Strahlenexpositionen in Nationalen Kohorten anderer europäischer Länder anzuregen und ein späteres Pooling der Daten anzustreben. Die Kooperation mit anderen großen Europäischen Kohorten (UK: 500 000, SE: 500 000, FR: 200 000, NL: 160 000) könnte das Konzept auf eine breitere statistische Grundlage mit mehr als 1 Million Teilnehmern stellen und es wäre evtl. eine echte Risikoabschätzung möglich, nicht nur eine Abschätzung der Obergrenze des Konfidenzintervalls.

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URN: urn:nbn:de:101:1-201309164745
Download PDF(english)
URN: urn:nbn:de:101:1-201309164699

Zusatzinformationen

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Die Strahlenschutzkommission (SSK) ist ein Beratungsgremium des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und berät dieses ...

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