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Krebshäufigkeit in der Samtgemeinde Asse

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet in der 260. Sitzung der SSK am 28.02./01.03.2013
Veröffentlicht im BAnz AT 03.03.2015 B3

Kurzinformationen

Das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) hat im Dezember 2010 in Auswertungen erhöhte Krebshäufigkeiten (Leukämien und Schilddrüsenkrebs) in der Samtgemeinde Asse für die Jahre 2002 bis 2009 festgestellt. Hintergrund dieser Sonderauswertung, bei der es sich um eine ökologische Studie handelt, war eine Anfrage des Landkreises (LK) Wolfenbüttel an das EKN aus dem Jahr 2008 zur Häufigkeit von Leukämien in der Samtgemeinde (SG) Asse.

Das BMU hat die Strahlenschutzkommission im Beratungsauftrag vom 20. Dezember 2011 gebeten, die Ergebnisse der Auswertungen zu bewerten. Dabei sollen insbesondere die angewendeten statistischen Methoden geprüft werden. Außerdem sollen folgende Fragen beantwortet werden: Gibt es strahlenbiologische Erkenntnisse, die die Ergebnisse plausibel erklären können? Wie können die Ergebnisse erklärt werden?

Die Strahlenschutzkommission weist in ihrer Stellungnahme „Erhöhte Krebshäufigkeit in der Samtgemeinde Asse“ mit wissenschaftlicher Begründung darauf hin, dass die Strahlenexposition der Bevölkerung in der Umgebung der Schachtanlage Asse II nur auf der Grundlage von Modellrechnungen abgeschätzt werden kann. Die Ableitungen von radioaktiven Stoffen mit der Fortluft aus der Schachtanlage Asse II führen zu keinerlei messbaren Konzentration in der Umwelt. Auf der Grundlage extrem konservativer Modellierung der potenziellen Strahlenexpositionen der Bevölkerung in der Umgebung der Schachtanlage Asse II ergeben sich lediglich vernachlässigbare Jahresdosen.

Die SSK kommt zu dem Schluss, dass die sich aus den Ableitungen radioaktiver Stoffe mit der Fortluft ergebenden Strahlenexpositionen der Bevölkerung selbst an der ungünstigsten Einwirkungsstelle, d. h. am Zaun der Anlage nordwestlich vom Diffusor, um Größenordnungen zu gering sind, um die beobachteten Inzidenzen zu erklären. Die Ableitungen radioaktiver Stoffe aus der Schachtanlage Asse II können daher nicht als Ursache der beobachteten Auffälligkeiten in den Jahren 2002 bis 2009 in der SG Asse angesehen werden.

Wird ein „Cluster“, d. h. eine zeitliche oder räumliche Häufung von Krankheitsfällen in der Bevölkerung vermutete oder wahrgenommen, weckt es Ängste und Besorgnis in der Bevölkerung. Dies ist sehr gut nachvollziehbar und muss ernst genommen werden. Jedoch sollten nationale und internationale Empfehlungen, unter welchen Umständen epidemiolo­gische Studien aufgrund beobachteter kleinräumiger Erkrankungshäufungen sinnvoll erscheinen und zielführend sein könnten, befolgt werden.

Die Literatur zeigt, dass generell die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, aufgrund eines kleinräumigen Krankheitsclusters durch eine ausführliche epidemiologische Untersuchung Hinweise auf mögliche Ursachen – wenn es sie denn gibt – zu finden. Speziell gilt der Vorbehalt, dass einzelne Cluster im Allgemeinen zu klein sind für epide­miologische Untersuchungen. In solchen Fälle reicht die verfügbare Information für eine Analyse mit geringen verbleibenden Unsicherheiten nicht aus. Dies ist auch der Fall für die beobachtete Erhöhung der Krebshäufigkeit in der SG Asse.

Die Stellungnahme mit wissenschaftlicher Begründung wurde als Heft 66 in der Reihe "Berichte der Strahlenschutzkommission" veröffentlicht.

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urn:nbn:de:101:1-201406112365
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Die Strahlenschutzkommission (SSK) ist ein Beratungsgremium des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und berät dieses ...

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