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Induktion benigner Tumoren durch ionisierende Strahlung

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet in der 290. Sitzung der Strahlenschutzkommission am 4./5. Dezember 2017
Veröffentlicht im BAnz AT 17.4.2018 B4

In der wissenschaftlichen Stellungnahme zur Berufskrankheit Nr. 2402 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung "Erkrankungen durch ionisierende Strahlen", veröffentlicht im Gemeinsamen Ministerialblatt Nr. 49-51, 2011, wird festgestellt, dass "... ggf. auch benigne Tumoren als strahlenbedingte Spätschäden bedeutsam ..." sind. Vor diesem Hintergrund wurde die SSK durch das BMUB am 31. März 2014 um eine Stellungnahme zu den Voraussetzungen gebeten, unter denen bestimmte benigne Tumoren in der Begutachtung von Berufskrankheit Nr. 2402 berücksichtigt und welche benignen Tumorentitäten betrachtet werden sollten.

Die SSK stellt fest, dass einige gutartige Tumoren mit einer stark eingeschränkten Lebensqualität oder sogar mit lebensbedrohenden Konsequenzen einhergehen. Dies gilt vor allem für gutartige intrakranielle Tumoren. Strahlenbedingte gutartige Tumoren sollten daher im Strahlenschutz allgemein in der Bewertung von Gesundheitsrisiken durch Strahlen-expositionen berücksichtigt werden. Eine Ablehnung der Anerkennung einer Erkrankung als berufsbedingt gemäß BK 2402 mit der alleinigen Begründung, dass gutartige Tumoren durch ionisierende Strahlung nicht auslösbar seien, ist nicht angebracht. Die derzeitige sehr limitierte Datenlage wird es jedoch nur in seltenen Fällen erlauben, eine Zusammenhangswahr-scheinlichkeit zwischen ionisierender Strahlung und einem gutartigen Tumor im individuellen Fall herzustellen. Es besteht erheblicher Forschungsbedarf, um ein besseres Verständnis zu erlangen.

Außerdem konstatiert das Gremium, dass es Hinweise (insbesondere für Schilddrüsenadenome und Meningeome) gibt, über welche Mechanismen ionisierende Strahlung gutartige Tumoren auslöst. Darüber hinaus gibt es Evidenz für die Erhöhung der Inzidenz von großen Schilddrüsenknoten nach Expositionen in der Kindheit mit Schilddrüsendosen im Bereich von einigen hundert Milligray bis zu einigen Gray. Über lange Zeiträume gemittelt ist die zusätzliche relative Inzidenzrate vergleichbar zum Schilddrüsenkrebs, die zusätzliche absolute Rate ist höher. Ebenfalls im Bereich einiger hundert Milligray bis zu einigen Gray gibt es Evidenz für eine Erhöhung der Anzahl von Meningeomen.

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Beratungsgremium SSK

Die Strahlenschutzkommission (SSK) ist ein Beratungsgremium des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und berät dieses ...

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