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Heft 48: Strahlenschutz für das ungeborene Kind

Empfehlung der Strahlenschutzkommission und wissenschaftliche Begründung

Redaktion: Olaf Sarenio, Bonn
1. Auflage, deutsch/englisch, 2006, 93 Seiten, 2 Abbildungen, 14 Tabellen
ISBN 3-87344-128-4, 14,50 €

Für ein ungeborenes Kind, das auf Grund der Beschäftigung der Mutter einer Strahlenexposition ausgesetzt ist, ist die Dosis aus äußerer und innerer Strahlenexposition vom Zeitpunkt der Mitteilung über die Schwangerschaft bis zu deren Ende gem. § 55 Abs. 4 Satz 2 StrlSchV auf 1 mSv begrenzt.

Die Strahlenschutzkommission hat festgestellt, dass es einige Radionuklide gibt, bei deren Verwendung es unter sehr konservativen Annahmen bei Einhaltung der Grenzwerte der Mutter zu einer Überschreitung des Grenzwertes von 1 mSv nach Bekanntgabe der Schwangerschaft beim Ungeborenen kommen kann. Dies gilt insbesondere für eine Einmalzufuhr zum ungünstigsten Zeitpunkt der noch nicht erkannten Schwangerschaft. Problematisch sind besonders folgende, in der Praxis relevante Radionuklide, insbesondere wenn diese in einer leicht löslichen Form vorliegen: H-3, C-14, P-32, S-35 (Forschung); Mo-99, Tc-99m (Medizin); Fe-55, Ag-110, Cs-137 (Kerntechnik); Pb-210 (natürlich vorkommendes Radionuklid); Ni-59, Ni-63 (Forschung und Industrie); Sr-89, Sr-90 (Medizin und Kerntechnik).

Die Strahlenschutzkommission hält bei Einhaltung des Grenzwertes von 1 mSv effektive Folgedosis für das Ungeborene eine zusätzliche Begrenzung der Dosis für einzelne Organe des Ungeborenen für nicht erforderlich. Die Begrenzung der effektiven Dosis auf 1 mSv für das Ungeborene für den Rest der Schwangerschaft berücksichtigt die stochastischen Risiken in hinreichender Weise.

Die Strahlenschutzkommission empfiehlt, die bisher bewährte Praxis im Rahmen der Inkorporationsüberwachung beruflich strahlenexponierter Personen beizubehalten, eine „Nachforschungsschwelle“ von 6 mSv zu definieren, bei deren Erreichen oder Überschreiten in jedem Einzelfall die Ermittlung der Körperdosis mit fallspezifischen Annahmen zu den jeweiligen Expositionsbedingungen unter Verwendung biokinetischer Standarddaten zu erfolgen hat. Handelt es sich bei der beruflich strahlenexponierten Person um eine Frau, ist immer auch mit dem Vorliegen einer Schwangerschaft zu rechnen und dementsprechend die Strahlenexposition eines möglicherweise vorhandenen Ungeborenen zu ermitteln. Es wird empfohlen, eine Vorgehensweise für die als kritisch erkannten Radionuklide festzulegen, die es gestattet, die effektive Folgedosis für das Ungeborene auch vor dem Erreichen der „Nachforschungsschwelle“ von 6 mSv zu ermitteln. Ein Vorschlag hierzu wird in der wissenschaftlichen Begründung gemacht.

Teilt eine beruflich strahlenexponierte Frau das Bestehen einer Schwangerschaft mit, wird empfohlen, unverzüglich die Aktivität der inkorporierten Radionuklide der Mutter festzustellen bzw. zu ermitteln und die aus den vorangegangenen Aktivitätszufuhren entstehende effektive Folgedosis für das Ungeborene abzuschätzen.

Die Strahlenschutzkommission hält den in §§ 55 und 95 StrlSchV festgelegten Schutz des Ungeborenen in Form

  • der Begrenzung der Gebärmutterdosis auf 2 mSv/Monat für gebärfähige Frauen sowie
  • der Begrenzung der Dosis des Ungeborenen auf 1 mSv ab bekannt werden der Schwangerschaft unter Berücksichtigung fallspezifischer Annahmen vorausgehender Inkorporationen der Schwangeren

für ausreichend. Die Beurteilung basiert auf den vorliegenden Ergebnissen der Modellrechnungen und den praktischen Erfahrungen aus der Inkorporationsüberwachung.

Die Empfehlung einschließlich der wissenschaftlichen Begründung wurde auf der 197. Sitzung der SSK am 16./17 Dezember 2004 verabschiedet.

Die Empfehlung der Strahlenschutzkommission hat Berücksichtigung gefunden in dem Entwurf der neuen Empfehlungen der ICRP von 2006.

Zusatzinformationen

Beratungsgremium SSK

Die Strahlenschutzkommission (SSK) ist ein Beratungsgremium des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und berät dieses ...

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