Veröffentlicht am: Empfehlung
- Medizinische Strahlenexposition
- Strahlenrisiko
CT-Expositionen im Kindesalter und Krebserkrankungen
Empfehlung der Strahlenschutzkommission
Verabschiedet in der 341. Sitzung der Strahlenschutzkommission am 02./03. Februar 2026
Können Krebserkrankungen durch eine Computertomografie (CT) im Kindesalter ausgelöst werden?
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Die Computertomografie (CT) ist ein bildgebendes Untersuchungsverfahren, um mit Hilfe von Röntgenstrahlen das Körperinnere von Patientinnen und Patienten dreidimensional darzustellen. Ob Untersuchungen mittels CT in der Kindheit Krebserkrankungen im späteren Leben verursachen können, wurde in den letzten Jahren in großangelegten Studien untersucht. Das Bundesumweltministerium beauftragte die Strahlenschutzkommission (SSK) nach Veröffentlichung einiger dieser Studien, die neue wissenschaftliche Datenlage zu bewerten.
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- Gibt es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer CT-Untersuchung in der Kindheit und einer späteren Krebsentstehung in Abhängigkeit von der Höhe der Strahlenexposition?<
- Wie häufig sind CT-Untersuchungen an Kindern in Deutschland und gibt es einen Trend?
- Gibt es Personengruppen, die besonders gefährdet sind, nach einer CT-Untersuchung eine Krebserkrankung zu entwickeln?
- Besteht Handlungsbedarf aufgrund der Erkenntnisse?
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- Die aktuellen epidemiologischen Studien zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen der Höhe der Strahlendosis aus CT-Untersuchungen im Kindesalter und dem Risiko für bestimmte Krebserkrankungen (maligne Hirntumoren, hämato-onkologische Erkrankungen wie u. a. Leukämien) im späteren Leben besteht.
- In Deutschland wurden im Zeitraum von 2005 bis 2021 etwa 70 000 CT-Untersuchungen bei Kindern pro Jahr durchgeführt. Das entspricht 5,26 bis 5,64 Untersuchungen pro 1 000 Kinder und Jahr.
- Die CT-Anwendung bei Kindern und Jugendlichen bedarf einer strengen Indikationsstellung. Kinder mit bestimmten, sehr seltenen genetischen Erkrankungen sind eine besonders gefährdete Gruppe, bei denen das erhöhte Krebsrisiko zu beachten ist. Wann immer möglich und medizinisch sinnvoll, sind bei allen Kindern Verfahren ohne ionisierende Strahlenanwendung bevorzugt einzusetzen.
- Geplante CT-Untersuchungen sollten in spezialisierten Einrichtungen für Kinder- und Jugendradiologie durchgeführt werden. Diese Einrichtungen können die Risiken, die größere Empfindlichkeit von Kindern gegenüber ionisierender Strahlung und die oftmals individuelle Fragestellung aufgrund ihrer Spezialisierung gut beurteilen. Sie verwenden individuell angepasste CT-Einstellungen, die Alter, Gewicht und Körpergröße jedes untersuchten Kindes berücksichtigen, um die erforderliche Strahlenexposition zu verringern.
- Es besteht Handlungsbedarf für die Planung und Bereitstellung alternativer Untersuchungsverfahren für Kinder und Jugendliche ohne Röntgenstrahlung (z.B. Magnetresonanztomographie, MRT). Dies erfordert auch die Kostenkalkulation anzupassen und speziell für Kinder geeignete Einstellungen zu entwickeln.
Abstract
Der Zusammenhang zwischen einer klinischen Untersuchung mittels Computertomografie (CT) (Exposition) in der Kindheit und einer Krebsentstehung im späteren Leben wurde in den letzten Jahren in großangelegten epidemiologischen Studien untersucht. Dazu zählt die europäische EPI-CT Studie (European Epidemiological Study to Quantify Risks for Paediatric Computerized Tomography) und die RIC-Studie (Risk of Pediatric and Adolescent Cancer Associated with Medical Imaging) aus den USA und Kanada. Das Bundesumweltministerium beauftragte daher die Strahlenschutzkommission (SSK) mit der Bewertung der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage für den Zusammenhang zwischen einer CT-Exposition in der Kindheit und einer möglichen Krebsentstehung im späteren Leben. Weiterhin sollte der Trend bei der Anwendung von CT-Untersuchungen an Kindern in Deutschland analysiert und mögliche risikobehaftete Personengruppen identifiziert werden. Die aktuellen epidemiologischen CT-Studien zeigen, dass ein konsistenter Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen der Strahlendosis aus CT-Untersuchungen im Kindesalter und dem Risiko für maligne Hirntumoren sowie für hämato-onkologische Erkrankungen im späteren Leben besteht. Für maligne Hirntumoren wurde dieser Zusammenhang statistisch signifikant ab einer Hirndosis von ca. 50 mGy demonstriert, für Leukämien und Lymphome ab einer Knochenmarksdosis von ca. 25 mGy. Anhand der Ergebnisse dieser Studien und ausgehend von etwa 150 000 CT-Untersuchungen bei Kindern pro Jahr in Deutschland lässt sich abschätzen, dass eine niedrige bis mittlere zweistellige Anzahl dieser Kinder als Folge der Strahlenexposition bei ihrer CT-Untersuchung später im Leben an Krebs erkranken könnte. Der diesem geschätzten Risiko gegenüberstehende medizinische Nutzen der jeweiligen CT-Untersuchung wurde in den betrachteten Studien nicht quantifiziert.
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Publikation zitieren
Strahlenschutzkommission (SSK). CT-Expositionen im Kindesalter und Krebserkrankungen, verabschiedet in der 341. Sitzung der Strahlenschutzkommission am 03.02.2026. www.ssk.de/publikationen/2026-02-03-ct-exp-kinder